"Auf das Leben!" - Purim, das fröhliche Fest

Verkleidungsspaß und Hamantaschen

Das fröhlichste Fest im jüdischen Kalenderjahr

Für meine Freundin Greta Klingsberg ist Purim das lustigste, fröhlichste und überschwänglichste Fest, das es gibt. Zumindest im Judentum. Und Greta muss das wissen. Schließlich ist sie schon 91 Jahre alt und hat in ihrem Leben wahrhaftig viel erlebt. Auch ihr Teddy Burlibrumm wird das bestätigen. Burlibrumm kam als Geburtstagsgeschenk zu Greta, als diese drei Jahre alt wurde. Damals lebte sie noch in Wien und soll Burlibrumm zu Purim auch verkleidet haben. Angeblich waren beide auch zusammen in der Synagoge und haben dort mit den anderen Kindern fleißig und viel gelärmt. Kostümiert natürlich. Doch das ist schon lange, lange her. Nun leben die beiden seit vielen Jahrzehnten in der goldenen Stadt Jerusalem und bekommen dort regelmäßig von uns Besuch.

Greta Klingsberg mit Teddy Burlibrumm. Foto: Alexander Jansen

 

Kostüme und Krach zu Ehren von Königin Ester

Einmal kamen wir wenige Tage vor dem Fest dort an und Johanna, meine jüngste Tochter, kam aus dem Hüpfen und Jubilieren gar nicht mehr heraus: Denn alle Geschäfte, die sie bevorzugte – die für Kinder nämlich –, führten die prächtigsten und witzigsten Kostüme in ihrem Sortiment. Johanna hatte eindeutig einen Favoriten: ein Eisköniginnen-Kostüm mit ziemlich viel Glitzer. Und dazu gab es "Ratschen" in allen Größen zum Krachmachen, dass mir schon beim bloßen Anblick der Kopf dröhnte. Doch die Ratschen müssen einfach superlaut sein: Sie kommen beim Vorlesen der Megillat Ester – dem biblischen Buch Ester – zum Einsatz. Und immer wenn in dieser Geschichte der Name des Übeltäters Haman genannt wird, muss man diesen Namen überlärmen – mit Klopfen, Stampfen und eben Ratschen. Und danach muss einfach ausgelassen gefeiert werden, denn schließlich wird daran erinnert, dass das jüdische Volk durch Königin Ester aus großer Gefahr errettet wurde. Deshalb gibt es auch Geschenke an die Armen und deshalb rufen alle beim Trinken einander möglichst viele „Le Chaims“ zu, denn dieser Trinkspruch bedeutet: „Auf das Leben!“

Diese wunderbare und glücklich machende Erzählung von der Königin Ester ist kindgerecht in einer Kamishibai-Bildergeschichte zusammengefasst worden:

 
Kamishibai-Geschichten haben immer etwas Theatralisches. Und das ist goldrichtig und folgt geradezu der Purim-Tradition. Denn seit vielen Jahrhunderten wird an Purim die Geschichte um Königin Ester nachgespielt. Das kann eine große Inszenierung sein oder eine ganz kleine. So hat das Jüdische Museum in Berlin eine wunderhübsche Vorlage für ein Fingerpuppen-Purimspiel als Bastelbogen im Internet veröffentlicht.

Traditionsreiches Gebäck: Hamantaschen

Gretas Mama hat an Purim natürlich immer Hamantaschen in ihrer süßen Variante gebacken, mit Mohn oder Pflaumenmus. Die dreieckigen Gebäckstücke heißen in Israel „Oznei Haman“ und sollen an die Ohren des Bösewichts erinnern. Denn die hat er bei seiner Hinrichtung verloren. Und auch heute wird dieses leckere Gebäck rechtzeitig zum Fest gebacken. Das Nachbacken ist eigentlich kinderleicht. Das SWR-Kindernetz hat dazu eine sehr verständliche Back-Anleitung veröffentlicht:

Wohl bekomm’s! Oder besser noch: Le Chaim! – Auf das Leben!

Alexander Jansen ist Heilpädagoge, Musik- und Theatertherapeut, Autor mit langjährigen Erfahrungen in heilpädagogischer und künstlerischer Arbeit mit geflüchteten und traumatisierten Kindern und Jugendlichen aus Kriegs- und Krisengebieten. Der Librettist und Textdichter für Komponisten wie Wilfried Hiller und Anno Schreier tritt an Stadt- und Staatstheatern sowie Konzerthäusern auf. Zuletzt erschien sein Buch "Ich habe meinen Glauben mitgebracht" mit Spielen, Geschichten und Liedern für ein friedliches Miteinander von Judentum, Christentum und Islam.

 

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