Geschichten gegen die Angst: Der kleine Mut

Eine Hoffnungsgeschichte in Zeiten des Kriegs

Mit der Angst vor dem Krieg umgehen

Wenn Krieg in unser Leben tritt, sehen sich pädagogische Fachkräfte und natürlich auch viele Eltern vor die Aufgabe gestellt, mit Kindern über den Krieg zu sprechen. Sie ringen um Worte, wollen ermutigen und beschützen. Die Fakten über den Krieg kann man in kindgerechter Sprache lesen oder in Kindersendungen hören. Aber wenn es um Ermutigung und Trost geht, fehlen uns Erwachsenen manchmal die Worte. Denn der Krieg verbreitet Angst und Schrecken für die Kinder und auch viele Erwachsene. Und so macht sich hier und da emotionale Sprachlosigkeit bemerkbar. Welche Worte, Handlungen und Haltungen können für dich in dieser Situation hilfreich sein?

Kinder haben feine Antennen

Kinder sehen, hören und spüren, dass der Krieg erschreckend ist. Sie beobachten sehr genau, wie du als erwachsene Person dazu stehst – ob du ängstlich bist und dir deine Angst eingestehst, ob du diese als übermächtig erlebst oder ob du Zuversicht ausstrahlen kannst. Die Worte, die Körpersprache und alltägliche Handlungen verraten den Kindern, wie betroffen die Erwachsenen sind.

Kinder brauchen Sicherheit

Doch Kinder brauchen Sicherheit, damit sie sich in diesen unruhigen Zeiten weiterhin gut entwickeln. Deshalb sollten wir ihnen diese Sicherheit vermitteln, durch Gesten, Worte und Taten. Das Sicherheitsgefühl entwickelt sich am ehesten, wenn wir im aktiven Modus bleiben. Sobald die Angst so groß ist, dass sie lähmt, entsteht Stagnation bis hin zur Panik mit Kontrollverlust. Wir brauchen also die Gewissheit, dass wir unser Geschick und unser Erleben lenken können. Sobald wir aktiv und am besten sogar kreativ werden, schöpfen wir Kraft und Mut und finden Lösungen. Das bringt Stabilität und macht Entwicklung wieder möglich.

Mit Sinneserfahrungen gegen die Ohnmacht

Um in den aktiven Modus zurückzugelangen oder aktiv zu bleiben, helfen positive Sinneserfahrungen. Sie verstärken die eigenen stabilisierenden Gefühle. Daher ist es wichtig, dass du solche Sinneserfahrungen täglich bewusst ermöglichst. Das kann geschehen durch Singen und Musik Hören, Tanzen und sich Bewegen, etwas Wunderbares Riechen und Schmecken, das Betrachten und Mailen farbenfroher Bilder und vieles mehr.

Mit Geschichten gegen die Angst

Auch Geschichten können helfen, den Schrecken und die Angst zu überwinden. Kinder im Kita-Alter haben eine rege Fantasie und sind empfänglich für Bilder und Erzählungen von magischen Gestalten und Fantasiewesen. Sie sind offen für Zauberhaftes und begierig auf Abenteuer. Die kindliche Offenheit und Begeisterungsfähigkeit ist ein Schlüssel zur positiven Entwicklung und Konfliktlösung. Denn die eigene Angst steht im Widerspruch zum Bedürfnis nach Entwicklung. In jedem Kind liegt das Samenkorn für die permanente positive Entwicklung. Jedes Kind will voranschreiten, groß und stark werden und die Welt erobern.
Wenn der Krieg in unser Leben bricht, sind Geschichten über den Krieg gefragt, die von Zuversicht getragen werden. Solche Geschichten führen dazu, die eigenen Kraftquellen zu aktivieren und selbstständig zu nutzen. In Kombination mit Assoziationen zu starken Sinneserfahrungen sind solche Geschichten pure Seelenstärkung. Gestärkt und gefördert werden dabei nicht nur die kindliche Resilienz und Zuversicht, sondern auch deine eigene.

Der kleine Mut: eine Hoffnungsgeschichte zum Ausdrucken und Vorlesen

Die Bilderbuchgeschichte vom kleinen Mut ist ein Beispiel für die Sinneserfahrungen gegen die Ohnmacht mitten im Krieg. Sie erzählt vom Krieg und der großen Angst. Sie erzählt davon, dass eines Tages der kleine Mut daherkommt und die Herzen der Menschen berührt. Er erhellt die Herzen und stärkt die Menschen, indem er Erinnerungen herbeizaubert. Am Ende ist die Angst ganz klein und der kleine Mut ganz groß.

Im Gratis-Download findest du die Geschichte mit den Bildern zum Erzählen. Du kannst die Bilder auf A4-Papier ausdrucken und mittig auf A3-Fotokarton kleben und damit die Geschichte im Kamishibai erzählen.

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10 Tipps für den Umgang mit der Bildergeschichte "Der kleine Mut" und für das dialogische Lesen und Erzählen

  1. Dialogisch lesen heißt: zulassen, dass die Kinder den Lesefluss unterbrechen, dass sie die Bilder eingehend betrachten und Fragen und Anmerkungen einbringen. Das Interesse an den Gedanken und Ideen der Kinder bedeutet Wertschätzung. Korrigiere die Kinder nicht, sondern stelle fest: „So siehst du das, aha. Dann schauen wir mal, wie es weitergeht in der Geschichte.“ Dasselbe gilt fürs dialogische Erzählen im Kamishibai.
  2. Beim Erzählen oder Vorlesen solltest du immer wieder Blickkontakt zu den Kindern aufnehmen. So kannst du wahrzunehmen, ob ein Kind Angst oder Trauer empfindet und dann z.B. körperliche Nähe anbieten und seine Angst ernstnehmen.
  3. Kinder dürfen jederzeit aus der Erzählrunde aussteigen. Irgendwann werden sie die Geschichte neu hören oder die Bilder vielleicht alleine ansehen wollen. Sie dürfen sich auch eine Hilfe/einen Tröster holen, z.B. ein Kissen, eine Decke, ein Kuscheltier.
  4. Gegen Ende der Geschichte kannst du langsamer lesen/erzählen und die Wirkung in Ruhe abwarten. Bei Bedarf werden einzelne Bilder noch einmal betrachtet und auf Wunsch auch einzelne Textpassagen wiederholt.
  5. Wenn es passt, lade die Kinder nach dem dialogischen Lesen und Erzählen zum Malen ein. Der eigene „kleine Mut“ könnte gemalt werden, die Angst, oder was auch immer den Kindern einfällt.
  6. Auch Handpuppen bieten sich an, um die Geschichte nachzuspielen. Dabei sollten die Kinder von der pädagogischen Fachkraft begleitet werden. Durch die kreative Arbeit mit der Bilderbuchgeschichte wird die positive hoffnungsfrohe Erfahrung derselben vertieft.
  7. Du kannst die Bildergeschichte im Kamishibai stehen lassen, sodass sie von den Kindern jederzeit angeschaut werden können.
  8. Der einfache Text der Geschichte kann in weitere Sprachen übersetzt werden, z.B. mit Hilfe von Kolleg:innen oder Eltern.
  9. Mit den Eltern sprichst du darüber, dass diese Geschichte aktuell in der Kita gelesen wird. Ermuntere die Eltern dazu, die Geschichte auch anzusehen und für Gespräche mit den Kindern offen zu sein.
  10. Die Bildergeschichte ist auch geeignet für Kinder und Familien mit eigenen Fluchterfahrungen. Auch deshalb sind Übersetzungen hilfreich. Die Familien können die Geschichte als tröstlich empfinden, denn sie führt nicht zu tief in die eigenen schmerzlichen oder gar traumatischen Erinnerungen, sondern legt den Fokus auf eine tiefe glückliche Erfahrung und öffnet den Blick für eine hoffnungsvolle Zukunft.

Maria Zens, Dipl. Heilpädagogin, Dipl. Sozialarbeiterin und Religionspädagogin, ist Bildungsreferentin im Sozial- und Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen. Die Illustrationen zur Geschichte hat ihre Tochter Charlotte Zens erstellt.