"Mantje, mantje, timpe te ..."

Dialekt im Kindergarten

Kennen Sie das "Märchen vom Fischer und seiner Frau"? Spätestens wenn Sie den Satz hören "Mantje, mantje, Timpe te, Buttje, Buttje in der See – meine Frau, die Ilsebill, will nich so als ick woll will" werden Sie es wiedererkennen, selbst wenn Sie den Satz nie genau übersetzen könnten. Denn diese wiederkehrende Rede des Fischers auf Plattdeutsch ist das Markenzeichen des Märchens. Jahrzehntelang verpönt, kommen Dialekte heutzutage wieder mehr zu Ehren. Gerade beim freien Geschichtenerzählen kann der Dialekt als stimmungsvolles Stilmittel eingesetzt werden, um der mündlichen Rede von einzelnen Personen der Geschichte eine besondere Überzeugskraft zu verleihen (mehr dazu hier). Unsere Autorin Anna Thekla Ruhe geht noch einen Schritt weiter und hat das gesamte Märchen "vom Fischer und seiner Frau" in seine ursprüngliche Sprache übersetzt. Anna Thekla Ruhe arbeitet seit 30 Jahren im katholischen Kindergarten St. Josef in Surwold/Börgerwald. Das ist im Herzen des Emslands, zwischen Küstenkanal und holländischer Grenze in Nord-West Niedersachsen. Ein ländliches Gebiet, in dem in vielen Häusern noch das traditionelle emsländische Plattdeutsch gesprochen wird.

Im Video hat für uns das "Märchen vom Fischer und seiner Frau" auf Plattdeutsch nacherzählt. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen mit dem Dialekt im Kindergarten befragt:

Frau Ruhe, wie und wann sprechen Sie Dialekt im Kindergarten?

Generell sprechen wir mit den Kindern natürlich Hochdeutsch. Aber einzelne Fingerspiele, Lieder oder Abzählreime kenne ich selbst nur auf Platt und die bringe ich dann so den Kindern bei. Auch Beten gelingt sehr schön auf Platt. Das Wichtigste ist, dass man sich selbst in der Sprache wohl fühlt, dann kommt es ganz natürlich.

Was ist mit den Kindern, die von zu Hause kein Platt können?

Die Kinder, die bislang noch kein Platt sprechen, lernen die kurzen Verse ganz leicht und verstehen auch bald den Inhalt. Ganz einfach geht es auch mit den kurzen Ansagen, wie sie im täglichen Ablauf vorkommen. Wenn ich anstatt „Jetzt ist Aufräumzeit!“ sage: „Nu mööt ji uprümen!“ finden das die Kinder total witzig. Manche laufen dann durch den ganzen Kindergarten und wiederholen immer diesen Satz.

Wenn Sie eine ganze Geschichte auf Platt erzählen wollen, wie bereiten Sie sich vor?

Es gibt natürlich auch Vorlesebücher mit Geschichten auf Plattdeutsch. Aber als ich den Kindern die Geschichte „Vom Fischer und seiner Frau“ mit dem Kamishibai erzählen wollte, habe ich mir erstmal die Textvorlage genau durchgelesen. Obwohl das Plattdeutsche meine Muttersprache ist, habe ich mir eine Übersetzung zu dem Märchen aufgeschrieben. Manches musste ich etwas umformulieren, weil man es auf Platt anders sagt. Als ich die Geschichte dann den Kindern erzählt habe, brauchte ich nur noch abzulesen. Zusammen mit den Bildern im Kamishibai konnten alle Kinder gut der Geschichte auf Platt folgen.

Anna Thekla Ruhe besuchte: Birgit Meyer-Berg