Mit Jesus in der Wüste

Wie Kinder auf die Stille hören können

Wie können wir uns die Wüste vorstellen?

Die Kinder sollen zuerst eine Vorstellung von der Wüste und dem Leben dort bekommen. Dazu können verschiedene Bilder von Wüstengebieten gezeigt werden. Häufig stellen wir uns die Wüste als endloses Sandmeer vor. Doch sind die Stein- und Felswüsten viel verbreiteter, selbst in der Sahara. Daneben gibt es Kieswüsten, Salzwüsten und Eiswüsten. Verschiedene Bilder dazu findet man leicht im Internet.

Bis ich selbst in Jordanien in der Wüste stand, habe ich sie mir immer eintönig und eher langweilig vorgestellt. Ich war überrascht, wie vielfältig die Gelb-, Ocker, Rot- und Brauntöne der dortigen Steinwüste sind. Auch die Klarheit der Wüste war für mich ein starker Eindruck. Das helle Sonnenlicht schärft die Kontraste, fand ich. Ich habe besser verstanden, warum die Wüste auch als Ort der Entscheidung und Klärung gilt.

Es ist auch keineswegs so, dass es in Wüstengebieten kein Leben gibt. Bestimmte Pflanzen haben sich der Wasserknappheit angepasst. Ein schönes Beispiel für die Anpassung ist z.B. die sog. Rose von Jericho. Sie erscheint uns als verdorrte leblose Pflanze, doch sobald man sie in eine Schale mit Wasser legt, beginnt sich ihre braune Farbe zu verändern. Langsam öffnet sie sich und bekommt einen grünlichen Schimmer. Legt man sie in warmes Wasser, dann öffnet sie sich sogar sofort. Ein physikalischer Effekt, der alle Beobachtenden zum Staunen bringt.

So können Kinder in die Stille eintauchen

Was mich in der Wüste auch sehr beeindruckt hat, ist die Stille. Wir erleben Stille und Schweigen in unserer Umgebung kaum. Immer hört man etwas oder ist von einer Geräuschkulisse umgeben. Es ist eine Erfahrung wert, Stille mit Kindern zu erleben. Stille ist nicht leblos. In der Stille höre ich besser. Ich werde aufmerksamer und achtsamer. Ich kann die Ruhe genießen. Auch das Schweigen kann zu mir sprechen. Kleine hinführende Erfahrungen dazu wären etwa:

Impuls 1: Die Sanduhr

Die Kinder sitzen im Kreis. Ein große Sanduhr mit einer Rieselzeit von einer Minute ist aufgestellt. Wenn die Kinder wollen, schließen sie die Augen, bis der Sand durchgerieselt ist und das Ende der Stille angesagt wird. Welche Erfahrungen machen die Kinder in der Minute? Wie oft öffnen sie ihre Augen, ob der Sand schon durchgerieselt ist?

Impuls 2: Aus der Wüste in den Garten

Wir machen gemeinsam eine Fantasiereise in den Garten der Stille. Du gehst in deinen Gedanken aus dem Raum heraus. Langsam verlässt du das Haus, in dem du bist. Draußen erwartet dich eine große Wiese. Du läufst im warmen Sonnenschein über das Gras und die bunten Wiesenblumen wie über einen Teppich. Jetzt stehst du vor einer hohen grünen Hecke. Du suchst einen Durchgang. Sobald du an deiner Hecke einen Eingang gefunden hast, bist du im geheimnisvollen Garten der Stille. Male dir in deiner Fantasie ein Bild von dem, was du in diesem Garten siehst und hörst. Die prächtigen Farben wunderbar duftender Blumen. Das Plätschern eines Bachs neben deinem Weg. Das Zwitschern von Vögeln? Der Wind auf deiner Haut? Vielleicht findest du auch einen Ruheplatz zum Staunen auf einer Bank, einem Stein, einer Wiese. Was auch immer du dir vorstellen magst. Nimm die Bilder im Garten der Stille tief in dich auf, die vor dir auftauchen. Jetzt gehst du deinen Weg allein. Genieße deinen Gang durch den Garten der Stille. – Lass deinen Blick ein letztes Mal über deinen Garten der Stille wandern. Bewahre diesen Augenblick wie einen kostbaren Schatz in deinem Herzen. – Dann gehst du zurück bis zur großen Hecke, die den Garten umgibt. Wenn du dort angekommen bist, dann findest du den Weg auch zurück zu unserem Haus und in diesen Raum. Sobald du angekommen bist, kannst du deine Augen öffnen. Lass dir dabei aber Zeit. Wir warten auf dich. Bis dann …

(Die Fantasiereise wird mit einer Atemübung eingeführt und ausgeleitet. Ausführlicher beschrieben sind beide Vorschläge für Stille-Erfahrungen in: Monika Bücken-Schaal, Meditationen und Stilleübungen für Kinder, S. 77f. und 87 ff., Don Bosco Medien GmbH und Verlag Junge Gemeinde, 2013)

Warten können und Verzicht aushalten – eine Herausforderung!

Die Stille ist für uns ungewohnt. Bei der Übung mit der Sanduhr haben die Kinder die Erfahrung gemacht, dass es nicht leicht ist, die Stille so lange auszuhalten. Es kostet Überwindung. Man muss sich dem Schweigen anvertrauen. Das fällt nicht leicht. Ebenso ist es schwer, einen Verzicht auszuhalten, z.B. eine Zeit lang auf Süßigkeiten zu verzichten oder zu fasten. Die wenigsten Kinder werden bei uns die Erfahrung gemacht haben, wie es ist, Hunger oder Durst auszuhalten. Andererseits leben auch nicht alle unter uns im Überfluss. Viele Kinder werden erlebt haben, dass nicht alle Wünsche, etwas zu bekommen, sich erfüllen. Warten zu können, z.B. bis es Weihnachten wird oder der Geburtstag kommt, ist für sie nicht immer leicht.

Um ein Grundvertrauen zu entwickeln, brauchen Kinder Verlässlichkeit. Sie brauchen die Erfahrung, dass jemand beständig für sie da ist, von Anfang an. Normalerweise entwickelt sich so mit der Zeit ein Vertrauen, dass die Eltern für das Kind da sind, das auch anhält, wenn sie weg sind. Es gehört zum Prozess des Selbstständigwerdens, dass ein Kind Zeiten ohne die Eltern aushält, ja sogar schätzen lernt. Es ist gut, wenn ich mich der Liebe nicht ständig vergewissern muss. Das gehört zu einer gelungenen Autonomie.

Was ist Versuchung?

Jeder Mensch möchte beachtet und wertgeschätzt werden. Es ist schön im Mittelpunkt zu stehen, z.B. am Geburtstag. Diese Erfahrung ist für uns lebensnotwendig. Das muss ich aber auch dem anderen gönnen können. Eine Versuchung kann es sein, sich etwas zu verschaffen, bevor es Zeit dafür ist. Eine Versuchung kann es sein, mir etwas zu verschaffen, was mir nicht selbst gehört. Oder alles für mich allein haben zu wollen. „Alles meins!: Oder 10 Tricks, wie man alles kriegen kann“, dieses bekannte Bilderbuch beschreibt diese Versuchung und ihre Folgen in wunderbarer Weise (auch als Bildsatz zum Kamishibai erhältlich).

Mit diesen Hinführungen kann das Verständnis für die Versuchungen, denen sich Jesus in der Wüste ausgesetzt sieht, gut vorbereitet werden. Jesus wird versucht, sich etwas zu verschaffen, was ihm fehlt. Etwas, was den quälenden Hunger überwindet. Jesus wird versucht, alle Reichtümer dieser Welt zu besitzen. Er wird versucht, auszutesten, ob die Liebe Gottes ihn trägt.

 

Jesus widersteht diesen Versuchungen und macht sich dadurch frei für seine Aufgabe, seine Sendung. Es geht nicht um den Kampf gegen das Böse, sondern um einen Reifungsprozess der eigenen Persönlichkeit. Das soll durch die Erzählung „Jesus in der Wüste“ aufgezeigt werden. 

Der „Versucher“ tritt auf den Bildern zu diesem Kamishibai als Schatten an Jesus heran. Der Schatten ist da, aber nicht übermächtig bedrohlich. Es geht in dieser Geschichte nicht darum, Angst vor dem Bösen zu machen. Der Schatten ist etwas Dunkles und Fremdes, aber auch etwas sehr Nahes. Ein Schatten Jesu selbst?

Die Deutung der Bibelgeschichte ist bewusst offen gehalten. Die Bilder sollen nicht festlegen. Sie sollen mit der Entwicklung des Kindes mitwachsen können. Ich bin der Illustratorin sehr dankbar, dass sie die Rolle des „Versuchers“ so gelungen umgesetzt hat.

  • Produkt

    Jesus in der Wüste. Kamishibai Bildkartenset.

    In der Stille der Wüste will sich Jesus ganz für Gott und seinen Auftrag öffnen. Doch der Teufel will ihn verwirren.

    16,00 €