„Philo-was?“ – Fragen stellen und Antworten finden wie König Salomo

Philosophieren mit Grundschulkindern

"Wer weiß, was Philosophieren ist?"

Immer wenn ich mit einer Klasse zum ersten Mal philosophiere, spiele ich als Einstieg ein Galgenmännchen-Schreibspiel an der Tafel, gesucht ist der Begriff „Philosophieren“. Und wenn das Wort „Philosophieren“ erraten wurde, sehe ich zunächst einmal einige Fragezeichen über den Köpfen der Schülerinnen und Schüler schweben: „Pillo-sopphieren? – Was ist das denn?“

Beim weiteren Nachfragen kommen die Schüler ins Nachdenken und meistens ist jemand dabei, der dieses Wort doch schon einmal irgendwie irgendwo gehört hat, komischerweise meistens vom Papa: „Das hat doch irgendwas mit nachdenken und reden zu tun, oder?“

Dann entgegne ich: „Ganz genau! Und DAS wollen wir jetzt gemeinsam machen!“

Nachdenken mit dem weisen König Salomo

Eine Geschichte, die sich besonders gut für eine philosophische Frage eignet, ist die Geschichte vom "salomonischen Urteil". Und da jede philosophische Frage mit einem Impuls beginnt, ist die Erzählung der Geschichte durch das Kamishibai eine schöne Methode um auf die philosophische Frage: „Was ist gerecht?“ zu kommen.

Die Schüler sitzen also im Halbkreis um das Kamishibai und die Geschichte vom König Salomo wird erzählt. Nach der siebten Erzählkarte, bei der Salomo überlegt, wie er den Frauen gerecht werden kann, unterbreche ich die Geschichte.

Die Schatzkiste zum Philosophieren

An dieser Stelle setzen wir uns in den Kreis und ich hole meine „Schatzkiste“ hervor, in der ich das Material für unser Philosophieren dabei habe. Beim ersten Mal wird die Verknüpfung zwischen den Gegenständen und ihrer Bedeutung gemeinsam erarbeitet, in weiteren philosophischen Stunden wiederholen die Schüler selbständig die Bedeutung der Gegenstände.

 

Ich zeige das goldene Tuch. Die  Schüler überlegen: Es steht für die Gedanken, die Fragen, die wir haben. Jeder Gedanke und jede Frage ist wertvoll.

Ich zeige die Glühbirne. Sie steht für unsere Ideen, wenn uns ein Licht aufgeht.

Ich zeige das bunte Tuch. Dieses Tuch steht für die Gedanken. Sie können ganz unterschiedlich und bunt wie Farben sein. Oft ist die Farbe nicht ganz rein, sondern andersfarbige Fäden durchziehen sie. So ist es auch mit unseren Gedanken – sie gehen in verschiedene Richtungen. Gemeinsam machen die Gedanken unser Leben bunt.

Ich zeige die Sanduhr und sage: „Wenn ich merke, dass keine neuen Gedanken mehr kommen, drehe ich die Uhr um. Es sind dann noch drei Minuten Zeit, um abschließend etwas zu sagen.

Ich zeige den Wuschel. Wer den Wuschel hat, darf sprechen. Die Schüler machen eine Schale mit den Händen, wenn sie etwas sagen wollen. Nach jedem Beitrag geht der Wuschel zurück an die Lehrerin.

Zum Schluss kommt noch die aktuelle philosophische Frage.

Diese philosophische Frage lautet heute:

„Was ist gerecht?“ – Der weise König Salomo

Die Mitte ist bereit. Und das Philosophieren geht los. Erst einmal ist es leise. Dann beginnt das Denken. Das ist so ein schöner Moment, erfordert aber auch etwas Geduld: es ist ungewohnt, als Lehrer einmal leise zu sein! Und schon bald kommen die Meldungen:

  • „Ich finde es ungerecht, dass die beiden streiten. Das arme Kind!“
  • „Eine von ihnen lügt!“
  • „Was soll Salomo machen? Was ist da gerecht?“ usw.

Die Kinder werden feststellen, dass das mit der Gerechtigkeit gar nicht so einfach ist. Nachdem die Kinder eine Weile über Salomo nachgedacht haben, kann man sie auf weitere Spuren führen:

  • „Wann hast DU zu Hause oder in der Schule das letzte Mal etwas als gerecht empfunden?“
  • „Wann bist DU gerecht?“

Wenn sich das Gespräch dem Ende zuneigt und die Sanduhr umgedreht wurde, kann man die Schüler mit Daumenabfrage noch einmal hören:

  • „Haben dir die anderen zugehört, wenn du gesprochen hast?“
  • „Hast du den anderen zugehört?“
  • „Hast du dich in der Gruppe wohl gefühlt?“
  • „Hast du etwas Neues gelernt?“

Im Anschluss an das Gespräch wird die Geschichte von Salomo aufgelöst. Die Kinder hören den Abschluss der Geschichte und halten (voller Staunen und Bewunderung über den weisen und gerechten Salomo) auf einem Arbeitsblatt die Gedanken des philosophischen Gespräches fest. Das Arbeitsblatt gibt es im Download:

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Zu jeder Philosophieren-mit-Kindern-Einheit kann ein Arbeitsblatt bearbeitet und in einem eigenen Heft/Ordner gesammelt werden. Im Laufe der Zeit entsteht so ein kleines Philosophie-Buch.

Kreative Weiterarbeit

Im letzten Punkt auf dem Arbeitsblatt bleibt Raum für Kreatives. Dazu gibt es immer mehrere Möglichkeiten, z.B.:

  • Ein Akrostichon zum Wort „Gerechtigkeit“ schreiben.
  • Einen Brief an jemanden schreiben, zu dem man ungerecht war.
  • Ein Elfchen über Gerechtigkeit schreiben.
  • Eine Szene malen, die man besonders gerecht findet.
  • Eine gerechte Welt malen. Und viel mehr – der Kreativität von Lehrern und Kindern sind da keine Grenzen gesetzt. 

Und wenn es das nächste Mal heißt: „Heute philosophieren wir!“, wird es sicher keine „Philo-was?“-Rufe mehr geben, sondern jede Menge Fragen und auch gemeinsame, erste Antworten.

Fortbildung „Philosophieren mit Kindern“

Empfehlenswert für das Philosophieren im Unterrichtsfach Religion, Deutsch oder Ethik ist, eine entsprechende Zusatzausbildung für Pädagogen zum Thema „Philosophieren mit Kindern“ zu absolvieren, um verschiedenes Handwerkszeug für  das Leiten oder auch Schwierigkeiten im Gespräch parat zu haben. Es gibt unterschiedliche Anbieter, zu empfehlen ist u.a. die Akademie für philosophische Bildung und Wertedialog mit der Zusatzausbildung für pädagogische Fachkräfte.

Catharina Fastenmeier, Dipl.-Religionspädagogin, ist Gemeindereferentin in der Diözese Würzburg und arbeitet als Religionslehrerin in der Grundschule.

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    Der weise König Salomo. Kamishibai Bildkartenset.

    Eines Tages fordern zwei streitende Frauen ein Urteil von König Salomo. Wie soll der weise König herausfinden, welche Frau recht hat und welche Frau lügt?

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