Hans im Glück

Spracherwerb in der Grundschule mit Geschichten spielend fördern

Spracherwerb bei Kindern mit anderen Herkunftssprachen

Zum Spracherwerb bei Kindern mit anderen Herkunftssprachen gehören Kompetenzen und Erfahrungen, die sich nicht allein auf das Erlernen von Wortschatz und Grammatik in der Zweitsprache beschränken und konzentrieren sollten. Entscheidend für die Lese- und Sprachkompetenz im umfassenden Sinne ist nicht vorrangig, in welcher Sprache Kinder lernen, ihre eigenen Vorstellungen im Kopf zu entwickeln. Die Verknüpfung von Texten und Bildern, von Sprache und Spiel sowie das Erfassen von Erzählstrukturen in Geschichten – alles das sind elementare Erfahrungen, die Kinder sowohl in der Erstsprache wie in der neu zu erlernenden Sprache sammeln können. Das Kamishibai-Erzähltheater bietet sich dabei als ein besonders geeignetes Erzählmedium an: Es besitzt ein erhebliches Aufmerksamkeits- und Lernpotential, hat je nach Nutzung einen hohen Aufforderungscharakter, kann Kinder durch immer wieder überraschende Bildeindrücke „verzaubern“ und regt zum mündlichen Erzählen an.

Das spricht dafür: Spracherwerb in der Grundschule durch das Erzählen von Geschichten

  • Kinder im Grundschulalter lassen sich durch Geschichten – in der Erstsprache ebenso wie in der neu zu erlernenden Sprache – emotional intensiv ansprechen und begeistern. Dadurch erfährt das Lernen eine besondere Motivation und Vertiefung, die sich auch auf die Lust am Lesen und Schreiben positiv auswirkt.
  • Mündliches, gestisches und bildgestütztes Erzählen wird von Kindern mit noch geringen Kenntnissen in der neu zu erlernenden Sprache leichter verstanden und in Erinnerung gebracht als reines Vorlesen ohne persönliche Ansprache, Gestik, Mimik und Bildunterstützung.
  • Regelmäßige Wiederholungen von Geschichtenzeiten, die den Kindern Freude bereiten – am besten eingebettet in ein Ritual – tragen lustvoll zur Einprägsamkeit und Vertiefung sprachlicher Wendungen bei.
  • Durch wiederholte „Formeln“ im Text können Satzbau und grammatikalische Strukturen spielerisch im Gedächtnis bleiben und sich als Muster festigen.
  • Möglichkeiten zum Miterzählen bzw. zum Vervollständigen von kleinen Sprech-, Spiel- oder Singversen regen das aktive Sprachvermögen an und bieten durch einfach strukturierte Variantenbildungen schnell eine gewisse Sicherheit und Vertrautheit bei der aktiven Anwendung von Sprache.

(Auszug aus: Susanne Brandt, Deutschlernen mit Bildern und Geschichten, Don Bosco Medien GmbH, München 2016)

Beispiel: "Hans im Glück"

Ein Beispiel aus Litauen zum Deutsch lernen mit Geschichten im Kamishibai wird in diesem Video des Goethe-Instituts vorgestellt: Die Kinder erzählen das Märchen "Hans im Glück": Sie spielen dabei mit verschiedenen Lauten ("Ich sage: eine Kuh. Ihr sagt: Muh, muh!), singen "Ich bin der Hans im Glück" und erzählen anhand der Bilderfolge die Geschichte mit verteilten Rollen und vor allem: frei.

Susanne Brandt, Bibliothekarin, Autorin von Liedern, Geschichten und Gedichten sowie von pädagogischen Praxisbüchern. Sie arbeitet als Lektorin bei der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, ist in der Erwachsenenbildung tätig und veranstaltet Mitmachaktionen für Kinder rund ums Kamishibai.