Jonas wird Prinzessin

Geschlechterrollen im Kindergarten

Typisch Mädchen? Typisch Junge?

Prinzessin, Fee, Cowboy, Indianer, Pirat … mögliche Faschingskostüme gibt es viele. Und wenn wir uns diese Kostüme vorstellen, haben wir auch gleich ein Bild vor Augen, wer in diesem Kostüm steckt: ein Mädchen oder ein Junge. Doch wer sagt denn, dass nicht auch Jungs Prinzessinnen sein können? Oder ein Mädchen ein Pirat?

Jonas wird Prinzessin

In der Geschichte des Bildkartensets „Jonas wird Prinzessin“ steht das Faschingsfest im Kindergarten vor der Tür. Die Zwillinge Jonas und Mara gehen mit ihrer Mutter in den Spielwarenladen, um sich schöne Kostüme dafür auszusuchen. Schnell ist für Mara das richtige Kostüm gefunden: Sie wird als Prinzessin in den Kindergarten gehen mit einem schönen rosafarbenen Kleid und einer Perücke mit langen blonden Haaren. Doch was ist mit Jonas? „Ich will auch Prinzessin werden, wie Mara“, sagt er. Doch seine Mutter meint: „Dann lachen dich im Kindergarten alle aus“, und kauft für Jonas ein Piratenkostüm. Zuhause angekommen stellen die beiden Kinder fest, dass Mara Jonas‘ Piratenkostüm auch sehr schön findet, und die Kinder schmieden einen Plan. Am Tag des Faschingsfestes geht Mara als Prinzessin und Jonas als Pirat in den Kindergarten. Doch bevor das Fest losgeht, tauschen die beiden in der Puppenecke ihre Kostüme und fühlen sich in den „untypischen“ Kostümen sehr wohl. Als die Kinder dann bei einem Spiel alle im Kreis stehen und nacheinander in die Mitte kommen und ihren Namen und das Kostüm vorstellen, kommt die Überraschung: Jonas geht in die Mitte und sagt stolz: „Ich bin Prinzessin Jonas.“ Ein anderes Kind, Sven der Ritter, lacht Jonas aus und sagt: „Der hat ein Mädchenkostüm an! Jungs werden doch keine Prinzessinnen!“ Doch Jonas erwidert, im Fasching dürfe man sich verkleiden, wie man will. Und er bekommt Unterstützung von Basti, dem Praktikanten des Kindergartens, den alle Kinder cool finden. Basti ist als Pippi Langstrumpf verkleidet mit bunten Strümpfen, einem Kleid und einer Perücke. Und siehe da, jetzt lacht keiner mehr über Jonas.

Geschlechterrollen

Mädchen und Jungen müssen sich immer wieder mit den ihnen kulturell und sozial zugewiesenen Geschlechterrollen auseinandersetzen. So wird vielleicht Max ausgelacht, der gerne in der Puppenecke mitspielen möchte oder die Jungs glauben Lisa nicht, dass sie auch auf den hohen Baum im Garten klettern kann. Und auch einer Erzieherin oder einem Erzieher kommt der Satz „Ein Junge weint doch nicht!“ möglicherweise schnell einmal über die Lippen. Das GenderKompetenzZentrum der Humboldt-Universität zu Berlin hebt die Bedeutung der Qualifikation des Fachpersonals im Bereich Gender-Kompetenz hervor und zeigt beispielsweise, welche Fragen sich die Erzieherinnen und Erzieher in diesem Zusammenhang stellen sollten, zum Beispiel: Welche Angebote gibt es in der Kita für Jungen und für Mädchen und sind diese für alle offen? Welche Gefühlsausdrücke werden bei Jungen oder bei Mädchen bestärkt oder abgewertet?

Und auch im Alltag außerhalb der Kita begegnen Kinder immer wieder Rollenklischees, beispielsweise in der Werbung oder in Zeitschriften. Der Don Bosco Verlag bietet für die geschlechterbewusste Pädagogik „Die 50 besten Spiele für mehr Genderkompetenz“ der Autorin Rosemarie Portmann an. Das Buch bietet vorurteilsbehaftete Spiele, vergleichende Spiele, einfühlsame Spiele, geschlechtergerechte Spiele und auch neutrale Spiele, um mit den Kindern bewusst an das Thema Geschlechtergerechtigkeit heranzugehen.

Oma mit Motorrad

Thematisieren Sie mit den Kindern doch mal das Spiellied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ im Erzähltheater. Denn ist denn eine Oma, die einen Revolver im Strumpfband hat oder mit ihrer Hühnermannschaft Fußball spielt, eine typische Oma?