Rotkäppchen und die Frottage

Märchen in Bilder verwandeln

Eine sehr  geeignete Hintergrundtechnik für Kamishibaibilder ist die Frottage. Einfache Formen oder  Materialien können durchgerubbelt werden. Diese Drucke wecken Assoziationen und regen sofort die Fantasie des Betrachters an, eigene  Bilder im Geist zu entwickeln. So kann z.B. für Rotkäppchens Wald eine Baumreihe mehrmals in je unterschiedlicher Farbigkeit durchgerubbelt werden. Diese Farbgestaltungen liefern  den visuellen Erzählstrang, den „emotionalen Hintergrund-Sound“ für die Erzählung. Ein paar Details im Nachhinein noch ergänzt, z.B. mit Kreiden aufgezeichnet, sind genug, um Aufschluss über den Verlauf der Geschichte zu geben. Hier ist die Umsetzung für "Rotkäppchen".

Das brauchen Sie:

DIN A3-Papier, Schere, Tonpapier, Linoldruckwalze, Linoldruckfarbe, Ölkreiden, Laminiergerät

Und so geht’s:

1. Aus dünner Pappe oder Tonpapier Bäume ausschneiden.

2. Das Papier farbig grundieren und so den Umgang mit der Walze erkunden.

3. Die ausgeschnittenen Bäume als Reihe unter das Papier legen

4. Mit einer anderen Farbe darüber walzen – die Bäume drücken sich in dieser Farbe durch und erscheinen auf dem Papier. So entstehen von verschiedenen Kindern Waldszenen in verschiedenen Farbstimmungen.

5. Dieser Vorgang kann mit einer anderen Farbe wiederholt werden. Eventuell die Bäume verschieben, damit der Eindruck von Wald entsteht. Diese Bild wird später unser Abschlussbild – der glückliche Nachhauseweg.

6. Die fertigen Blätter werden nach Emotionen sortiert und dem Märchen zugeordnet.

7. Jetzt werden von den Kindern Entwürfe für die Protagonisten im Märchen angefertigt:. Soll der Wolf sitzen oder stehen. Wie schaut das Rotkäppchen aus?

8. ... oder die Kinder malen gleich frei auf den farbigen Hintergrund. Schwarz ist dabei der stärkste Kontrast.

Rotkäppchen pflückt Blumen

Großmutters Haus

Der Jäger

Der Wolf im Brunnen

In welcher Szene könnten wir dieses Bild noch brauchen?

9. Zur Stabilität können die Arbeiten noch laminiert werden.

10. Nun können die Kinder selbst zu ihren Bildern erzählen. Natürlich können die Bilder auch reduziert werden.

 

Zum Schluss ein bisschen Fachjargon aus dem Bildungs- und Erziehungsplan:

Nachdem bei dieser kreativen Märchenarbeit das künstlerisch gestaltende Kind im Mittelpunkt steht, wird nicht nur die Sprachkompetenz oder – wie man so schön sagt – literacybezogene Kompetenz, sondern auch die Kreativität gefördert. Und durch das Gestalten der eigenen inneren Bilder erhält die persönliche und soziale Kompetenzentwicklung eine Chance. Somit fördert die Erzieherin mit dieser Methode, Kinder Märchen nahezubringen, eine widerstandsfähige, wertorientierte Persönlichkeitsentwicklung, bildet Charakter, der …. wenn er nicht gestorben ist, auch noch heute lebt!

Gabi Scherzer, ursprünglich Grundschullehrerin und nun freischaffende Künstlerin und erfolgreiche Buchautorin. Sie unterrichtet Kunsterziehung und Religion an einer Fachakademie für Sozialpädagogik. Kunstprojekte in verschiedenen sozialen Einrichtungen, Fortbildungen für LehrerInnen, ErzieherInnen und GemeindemitarbeiterInnen. Mit ihrer Familie lebt sie bei Regensburg.