Im Winterwald: Was die Fichte erzählt

5 Praxistipps, wie Kinder in der Grundschule den Wald im Winter entdecken

Drei gute Gründe in den Wald zu gehen

Im Winter verbringen wir viel Zeit in geschlossenen Räumen. Die trockene Heizungsluft schwächt unser Immunsystem. Den ganzen Tag drinnen verstärkt den „Winterblues“. Da Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang haben, werden sie unruhig und können sich nur noch schwer konzentrieren.
Viele Studien haben inzwischen bewiesen, was wir intuitiv spüren: Wald tut gut.

1. Der Wald wirkt positiv auf unser Nervensystem und hebt die Stimmung.

2. Gleichzeitig atmen wir die von den Bäumen abgegebenen Botenstoffe ein, die unsere Abwehrkräfte stärken.

3. Es gibt aber noch einen ganz anderen, für mich sehr wichtigen Aspekt, warum ich mit Kindern im Winter in den Wald gehe: sich spüren und wahrnehmen. Mir fällt auf, dass die Körperwahrnehmung (Propriozeption) bei vielen Grundschulkindern nicht gut ausgebildet ist. Der Winterwald kann die Kinder ganz unaufdringlich und spielerisch als „zweite Lehrkraft“ unterstützen.

 

Fünf Praxistipps

 

1.    Bewegungsfeld „Wald“

Damit uns nicht kalt wird, bewegen wir uns erst einmal intensiv. Wir haben einen gefällten Baum entdeckt, den wir ausgiebig nutzen, um darauf zu balancieren. Wir versuchen, aneinander vorbei zu balancieren. Wir klettern auf einen Baumstumpf und hüpfen hinunter. Wir klettern auf niedrige Laubbäume, jedes Kind versucht es allein. Wir merken: Das Raufklettern ist oft einfacher als das Runterklettern.

2.    Winterliche Baumkunde

Im Winter, wenn kein Laub mehr an den Bäumen ist, wandert unsere Aufmerksamkeit fast automatisch auf die Baumrinde. In einem Waldstück mit verschiedenen Baumarten betrachten wir die Rindenstrukturen und typischen Merkmale. Wenn wir die Unterschiede verinnerlicht haben, bilden wir Paare. Einem Kind werden die Augen verbunden, das zweite Kind führt es zu einem Baum, den das erste betastet und versucht die Baumart zu erkennen. Zurück im Klassenzimmer erfahren wir mehr über die verschiedenen Baumarten (siehe Arbeitsblatt im Gratis-Download).

 

3.    Was der Borkenkäfer erzählt

In vielen Waldgebieten lassen die Förster auch Totholz liegen, da es für die Artenvielfalt enorm wichtig ist. An den vom Borkenkäfer befallenen Bäumen hat sich meist die Rinde abgelöst und wir erkennen die Borkenkäfergänge auf der Innenseite der Rinde oder direkt an dem Stamm. Dies sind meist wunderschöne Muster. Wir legen Papier darauf und reiben den Abdruck mit Wachsmalstiften oder Zeichenkohle ab.

 

4.    Was die Maus erzählt

Wenn Schnee liegt, finden wir leicht Spuren von Tieren und Menschen. Wir verfolgen eine Spur – führt sie zu einer Futterstelle? Dort kreuzen sich viele Rehspuren, aber auch eine Eichhörnchenspur und Vogelspuren können wir deutlich erkennen. Zurück im Klassenzimmer erinnern wir uns, wie die Spuren von einigen Tieren aussehen (siehe Arbeitsblatt im Gratis-Download). Aber zuerst setzen wir jetzt selbst Spuren: Wir drücken unsere Schuhe ab, die Hände, das Gesicht, den ganzen Körper. Wir spielen Adler, in dem wir uns in den Schnee legen und mit unseren Armen Flügelbewegungen machen und so Adlerflügel in den Schnee zeichnen.

Vertiefung im Klassenzimmer: zu den Arbeitsblättern "Baumarten im Wald" und "Spuren im Schnee" geht es im Gratis-Download:

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5.    Was die Fichte erzählt

Es kann gut sein, dass wir Waldarbeitern begegnen, da in den Wintermonaten die meisten Bäume gefällt werden. Wir betrachten den Querschnitt eines gefällten Baumes und lernen die „Baumsprache“. Wir zählen die Jahresringe. Mit einem Lineal können wir die verschiedenen Dicken der Jahresringe messen. Wir werden Dolmetscher für den Baum und erzählen in Menschensprache seine Geschichte: „Vor 40 Jahren wurde ich, die alte Fichte, geboren. Mit 20 erlebte ich einen schrecklichen Waldbrand ...“ Zurück In der Schule können wir die Geschichte mit Hilfe des Kamishibais vertiefen. Die Kinder können die erdachten Ereignisse im Leben des Baumes auf DIN A3-Papier malen. Wir teilen auf, wer welches Bild malt, und erzählen dann mit dem Kamishibai in chronologischer Reihenfolge aus der Sicht des Baumes, was auf dem Bild passiert.

 

Es gibt kein schlechtes Wetter!

Damit der Ausflug zu einem positiven Erlebnis wird, ist es ganz wichtig, dass die Kinder warm genug angezogen sind. Ich erlebe immer wieder, dass Eltern ihre Kinder unangemessen anziehen, wenn sie wenig Erfahrung haben, länger draußen zu sein. Empfehlenswert ist die „Zwiebel-Technik". Dabei werden mehrere Kleidungsschichten übereinander gezogen, wie z.B. T-Shirt, Pulli, Weste, Jacke. Das gilt auch für Socken. Bestehen Sie darauf, dass alle eine Mütze und Handschuhe dabei haben.

Carola Bambas ist Kinder- und Jugendcoach, Kursleiterin für Waldbaden und Geschichtenerzählerin. Sie arbeitet u.a. in der Grundschule, leitet Spielgruppen und veranstaltet Familientage und Ferienfreizeiten im Wald. Die Autorin gibt Fortbildungen und Seminare für Eltern und Pädagog:innen. Viele weitere Ideen zum Waldbaden mit Kindern gib es im Kartenset: Raus in den Wald. 30 Ideen.

 
 

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