Praxistipp: Das kleine WIR in der Grundschule

Unterrichtsreihe für die 1. Klasse

Wie entsteht Gemeinschaft?

Mit dem Schuleintritt ändert sich die Zusammensetzung der Gleichaltrigengruppe und die Kinder werden Teil einer neuen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist in vielerlei Hinsicht von Heterogenität bestimmt: zum Beispiel, was Begegnungs- und Muttersprache betrifft, Traditionen oder soziale Herkunft. Diese Verschiedenartigkeit gilt es in der Schule aufzugreifen. Die Kinder werden im Ausbau ihrer sozial- emotionalen Fähigkeiten unterstützen, Defizite gilt es auszugleichen. Das Ziel ist: positive Beziehungen aufzubauen, Freundschaften zu ermöglichen, Bewältigungsstrategien zur Konfliktbewältigung zu schaffen und zum empathischen Handeln zu erziehen.

Die Geschichte vom Wir-Gefühl

Eine Geschichte, die diesen Anspruch besonders gut und verständlich aufgreift, ist „Das kleine WIR“ von Daniela Kunkel, das nun als Kamishibai-Bildkartenset vorliegt.  
Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht das Wir-Gefühl zwischen Ben und Emma: das „kleine WIR“. Mit ihrem kleinen WIR ist alles schöner. Die Kinder erleben mit ihm die spannendsten Abenteuer, überwinden die größten Hindernisse und bezwingen die unheimlichsten Ungeheuer. Doch wenn Ben und Emma sich streiten, bekommt das kleine WIR Bauchschmerzen, wird immer kleiner und verkriecht sich in der hintersten Ecke ihrer Herzen. Erst wenn sich die Kinder wieder vertragen, sich entschuldigen und liebe Worte benutzen, traut sich das kleine WIR wieder hervor und wird stärker als je zuvor.

Das kleine WIR im Sachunterricht

Ein Wir-Gefühl entsteht durch Sympathie zueinander und gemeinsame Erlebnisse. Es schafft Verbundenheit und Zugehörigkeit und ermöglicht den Beteiligten ein Wohlbefinden auf der emotionalen Ebene. Der Lehrplan Sachunterricht für das Land Nordrhein Westfalen rückt im Bereich „Mensch und Gemeinschaft“ das friedliche und verträgliche Miteinander in den Fokus. Zentraler Leitgedanke ist hier, dass die Schüler und Schülerinnen den achtsamen und wertschätzenden Umgang untereinander lernen und verschiedene Gefühle und deren Bedeutung wahrnehmen (siehe Lehrplan Sachunterricht NRW).

Für die Praxis: Unterrichtsreihe zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls

„Das kleine WIR“ ist ideales Thema in der ersten Klasse. Der Inhalt ist dem Bereich „Mensch und Gemeinschaft“ zuzuordnen. Das Reihenziel ist, das Gemeinschaftsgefühl zu fördern und die Kinder im Umgang miteinander zu sensibilisieren.

1. Unterrichtseinstieg

Die Schüler und Schülerinnen hören die Kamishibai-Geschichte im Sitzkreis. Im Anschluss daran beschreiben sie, welche Aspekte ihr „WIR“ groß und stark macht und was es klein und traurig werden lässt. Da die Kinder sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Schulanfangszeit befinden, werden ihre Gedanken sowohl mit Piktogrammen (Beispiele: Herz, sich reichende Hände, Rettungsring) als auch mit schriftlichen Regelformulierungen für die Bildsymbole dargestellt (Beispiele: Wir sind nett zueinander! Wir helfen uns!).
Um genaue Einblicke hierzu zu erhalten, schaut auf meinem Instagramprofil @kreatives_4_kids vorbei.

2. Unterrichtseinheit

Es wird eine Art Vertrag mit den Schülern und Schülerinnen geschlossen. Hierzu wird das „WIR“ in Puzzleteile aufgeteilt. Jedes Kind erhält ein Puzzlestück und auch der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin. Dieses Puzzlestück wird von allen farblich gestaltet und mit dem Namen versehen. Es wird im Anschluss wieder zu einem Ganzen zusammengefügt. Mit diesem Schritt erklärt sich jeder dazu bereit, am gemeinsamen WIR zu arbeiten.

3. Reflexion

Jeden Freitag wird die Woche auf sozialer Ebene reflektiert. Hierzu kommen die Kinder in einen Stuhlkreis. Jeder Schüler, jede Schülerin erhält 3 Smileys (gün, gelb, rot). Dieses gilt es unter der Fragestellung: „Wie groß war unser WIR in dieser Woche?“ einer Vorlage zuzuordnen (kleines WIR, mittelgroßes WIR, großes WIR). Anschließend kommen die Kinder in den gemeinsamen Austausch und benennen Gründe für ihre Entscheidung. Gegebenenfalls werden anschließend Ziele für die kommende Woche vereinbart werden. Wichtige Fragestellungen sind:

  • Was können wir als Gemeinschaft dazu beitragen, dass unser WIR glücklich und groß ist?
  • Wie können wir XY helfen, dass sie es besser schaffen, unser WIR groß werden zu lassen?

 

Um die wöchentliche Motivation zu steigern, könnte man das positive Verhalten durch gemeinsame Aktivitäten „belohnen“ (Beispiele: Freies Spiel auf dem Schulhof, Gruppenspiele im Sportunterricht, gemeinsames Lesen eines Bilderbuches).

 

4. Unterrichtsabschluss

Um die Gemeinschaft und das Wir-Gefühl der Klasse zu repräsentieren, werden „Kleines-WIR“-Laternen gebastelt.

Dazu brauchst du:

•    Eine 1,5l PET- Flasche
•    Grünes Transparentpapier
•    Gelbes, rotes und weißes Tonpapier für die Blumen
•    Grünes Tonpapier für die Arme und Beine
•    Grüner Pfeifenputzer
•    Kleber, Heißklebepistole
•    Weißes Papier für Nase und Augen

So geht’s:

Eine erwachsene Person sollte die PET- Flasche auf ca. die halbe Größe     zurechtschneiden und hierbei scharfe Kanten entfernen. Danach bekleben die Kinder die gesamte Flasche mit Papierschnipseln aus grünem Transparentpapier. Anschließend schneiden sie Augen und Nase aus, bemalen diese (Augen: Pupillen, Nase: rot-weißes Streifenmuster) und kleben sie auf den Flaschenkörper. Aus grünem Tonpapier werden jeweils 2 Streifen miteinander verbunden (Hexentreppe) und auf Arm- und Beinhöhe angebracht. Dies erfolgt viermal. Abschließend werden 3 Blumen aufgezeichnet, ausgeschnitten und an den Pfeifenputzer mit Flüssigkleber aufgeklebt. Jede Blume wird zweimal benötigt (Vorder- und Rückseite)! Eine erwachsene Person befestigt den Pfeifenputzer mit einer Heißklebepistole am Kopfbereich des kleinen WIR.

Sämtliche von mir genutzten Kopiervorlagen findest du zum kostenlosen Download auf der Webseite der Illustratorin Daniela Kunkel.
 

Katharina Ruckhaber ist Lehrerin in der Grundschule in NRW und gibt regelmäßig Praxistipps und Informationen auf instagram: kreatives_4_kids

 

  • Produkt

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