Tipps für den Einsatz des Kamishibai bei Kindern unter Drei

Von einzelnen Worten bis zu kleinen Geschichten: Schon die ganz Kleinen entdecken ihre Sprache mit dem Kamishibai-Erzähltheater. Bild für Bild werden Geschichten aus der Erfahrungswelt der Kinder interaktiv erzählt. So entsteht Fantasie und Freude am kreativen Tun.

Für Kinder unter 15 Monaten

Den ganz kleinen Kindern zeigen Sie nur für wenige Minuten ein einziges Bild im Kamishibai und sprechen dazu erklärend. Regelmäßig genutzt hilft es unseren Kleinen zuhören zu lernen und „in Sprache zu baden“. Die Kinder achten zwar mehr darauf, wie etwas gesagt wird, also Tonfall, Klangfarbe, Mimik und Gestik, aber die Zuwendung zu und das Sprechen mit ihnen weckt ihr Interesse am Zuhören. Für so junge Kinder ist das Bild eines Gegenstandes passend, z.B. eine Banane. Nach dem Klang der Klangschale und dem Öffnen der Türen des Kamishibais besprechen Sie den Gegenstand: Reden Sie einfach drauf los, alles, was Ihnen einfällt: Farbe, Form, Größe, Geruch, Geschmack usw. Artikulieren Sie sehr deutlich, spüren Sie Ihre Lippen, genießen Sie die einzelnen Laute des Wortes.

Für Kinder ab ca. einem Jahr

Für Kinder ab etwa einem Jahr können Sie ein Tierbild wählen, zum Beispiel eine Kuh. Suchen Sie in Ihrem Fundus eine Kuschelkuh und aus der Bausteinkiste verschieden geformte Klötzchen. Erzählen Sie nun alles, was Ihnen zur Kuh einfällt, benennen Sie die einzelnen Körperteile nach ihrer Form, geben Sie den Kindern die Gelegenheit, das weiche Fell des Stofftiers und die Begriffe  rund und eckig mit Bauklötzchen zu fühlen. Die Wahrnehmungskanäle Sehen, Hören und Fühlen werden angesprochen, Sprache wird „begriffen“.

Sind die Kinder schon etwa 15 Monate alt, beziehen Sie auch den Geschmacks- und Geruchsinn mit ein. Am Beispiel der Banane: Halten Sie eine ganze und eine in Stückchen geschnittene Banane bereit. Lassen Sie die Kinder die Banane anfassen, daran riechen und ein Stückchen schmecken. Das Sprachbild des Kindes verknüpft Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Begleiten Sie jeden Vorgang mit Worten und stellen Sie immer wieder den Bezug zu dem gezeigten Bild her. Betonen sie alle Laute in dem Wort und achten Sie darauf, ob das Kind die Laute nachahmen will. Zeigen Sie, dass auch Sie genau zuhören und ahmen Ihrerseits das Kind nach. Seien es zu Anfang auch nur Lippen- und Zungenbewegungen, machen Sie es nach. Damit ermuntern Sie das Kind zum Sprechen.

Sie können auch die ganz Kleinen, solange sie wollen, an den Geschichten für die Größeren teilnehmen lassen. Sie signalisieren von ganz allein, wann sie genug haben und weggebracht werden wollen.

Für Kinder ab zwei

Spielen mit Worten und genaues Zuhören, begleitet von entsprechendem Bildmaterial im Kamishibai, kann der Beginn und der Übergang zum lustigen Geschichtenerzählen sein. Hervorragend dazu eignet sich das Spielen mit Reimwörtern. Deswegen sollten Sie auch schon diese Spielsituation entsprechend als Kamishibai-Ritual kennzeichnen. Die Dreijährigen können Sie mit Reimpaaren Memory spielen lassen, wobei Sie die Kinder auffordern, die gefundenen Bilder jeweils laut und deutlich zu benennen. Auch das schult das Sprachbewusstsein. Und immer gilt: lassen Sie auch die ganz Kleinen zuhören, wenn und solange sie wollen. Dem spielerischen Umgang mit Worten und Klängen und einzelnen Lauten genau zuzuhören macht Spaß, schult die Wahrnehmungsfähigkeit von Sprache und schult das Lautbewusstsein. Viel, viel später, in der Schule, wird beim Schreiben diese Fähigkeit dringend gebraucht.

Irgendwann können Sie dann das Kamishibai in seiner eigentlichen Bedeutung zu einem Theaterevent einsetzen. Geschichten frei erzählt mit dem Traumpaar Kamishibai und Bildkartenset führt  die Kinder in die magische Welt der Geschichten ein. Mit interaktivem bildgestützten Erzählen von Geschichten betreiben Sie ganzheitliche Sprachförderung, bauen in den Kindern ästhetische Bildung auf und stärken durch freudvolles gemeinsames Erleben die Gemeinschaft. Dafür existieren zahlreiche Bilderbuchgeschichten als Bildkartensets, die sich auch für die Kleinen eignen, z.B. Kettenmärchen, wie "der dicke, fette Pfannkuchen" oder "der Lebkuchenmann".

Der Vorteil des bildgestützten Erzählens einer Geschichte gegenüber dem Vorlesen aus einem Bilderbuch besteht darin, dass alle Kinder gleichzeitig das Bild sehen können. Der Blick der Kinder auf die Bilder wird durch den dunklen Rahmen sogar fokussiert. Sie aber können immer Blickkontakt mit den Kindern halten und haben beide Hände frei. Durch Zwischenfragen können Sie die Kinder anhalten zu antworten, mitzumachen, mitzusprechen, nachzusprechen und selber zu fragen. Durch den Einsatz von Erklingen der Klangschale, Öffnen der Türen, Ziehen des Vorhangs, Erzählen einer schönen Geschichte, Gestik, Mimik und Stimmvariationen entsteht richtige Theateratmosphäre.

Helga Gruschka, ausgebildete Märchen- und Geschichtenerzählerin. In Kitas, Schulen, Bibliotheken und Krankenhäusern veranstaltet sie Geschichtenerfinder-Werkstätten und entwickelt dort zusammen mit den Kindern neue Geschichten. Sie gibt Fortbildungen für Erzieherinnen und Lehrkräfte zum Erzählenlernen. Ihr Kamishibai hat sie stets im Gepäck.