Top 5 Bilderbücher für das Kamishibai: Freundschaft

Eine Empfehlung von Bilderbuch-Expertin Simone Jacken

Wie schön es ist, Freunde zu haben! Das zeigen die 5 Kamishibai-Geschichten, die ich heute vorstelle, jede auf ihre Weise. Einen Freund oder eine Freundin zu haben ist ein elementares Bedürfnis. Freundschaften geben Kindern Rückhalt und stärken ihr Selbstbewusstsein.

Meine 5 Top-Bilderbuch-Tipps fürs Kamishibai

Das Thema Freundschaft wird natürlich in vielen Bilderbüchern behandelt. Zwei Klassiker fallen mir als Erstes ein, da sie mich schon bei meiner Arbeit im Kindergarten begleitet haben und sehr gerne in den Grundschulen zum Vorlesen gewünscht werden.

Wie Findus zu Pettersson kam

Die wunderschöne und üppig illustrierte Geschichte von Sven Nordqvist erzählt vom alten und einsamen Pettersson. Als die Nachbarin ihm den kleinen Kater Findus schenkt, endet nicht nur seine Einsamkeit, es ist auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Nordqvist beschreibt die Beziehung der beiden Protagonisten als ein gegenseitiges Geben und Nehmen, großartig und mit viel Herz. Das Verlorengehen von Findus und die Sorge, die Pettersson um ihn hat, zeigt, wie inniglich die Beziehung der beiden schon ist. Die Aufregung hat aber auch ein Gutes, Findus hat die Mucklas und den Dachs als neue Freunde gewonnen und gelernt, dass das Unbekannte nur so lange gefährlich ist, bis man es sich vertraut macht. „Du findest wohl überall Freunde“, meint Pettersson zum Schluss. Welch mutmachende Aussage für Kinder. Und die Antwort von Findus auch: „Aber du bist und bleibst mein allerbester Freund.“

Auch die Thematik "Adoption" kann mit dieser Geschichte besprochen werden. Das Verhältnis Pettersson und Findus ist ja auch das eines Vaters und seines angenommenen Kindes.

Die Bildkarten sind ein Augenschmaus und zeigen durch ihre Größe noch besser, was auf jeder Seite verborgen ist.

Praxis-Tipp:

Für kleinere Kinder ist eine Kartenauswahl zu treffen, da die Geschichte sehr viel Text und Bilder hat. Ich würde auch keine Bilder verwenden, auf denen Findus mehrfach abgebildet ist (Karten 9 und 12), das ist verwirrend. Eine Auswahl könnte sein: Karte 2, 4, 6, 8, 10, 11, 13, 14, 16 und 18 oder noch weniger, der Text kann dann entsprechend eingekürzt werden. Im Anschluss an die Geschichte kann ich mir gut ein kleines szenisches Spiel vorstellen. Hier können die Schwerpunkte Ankommen, Freunde werden, Verloren gehen, Wiederfinden und neue Freundschaften knüpfen verdeutlicht werden.

Oh, wie schön ist Panama

Tiger und Bär sind schon immer Freunde und wohnen in ihrem gemütlichen Haus am Fluss. Gegenseitig verwöhnen sie sich, nehmen die Bedürfnisse des anderen wahr und schließen auch schon mal Kompromisse. Als der kleine Bär eine Kiste findet, auf der Panama steht, und die so wunderbar nach Bananen riecht, ist sein Fernweh geweckt. Er überzeugt den kleinen Tiger und sie machen sich auf den Weg „in das Land ihrer Träume“. Nach vielen Begegnungen mit anderen Tieren und einigen falschen Wegbeschreibungen kommen sie nach langer Zeit wieder an ihrem Zuhause an und entdecken es ganz neu.

Ja, mit guten Freunden schafft man einfach alles, denn der Bär ist stark wie ein Bär, der Tiger stark wie ein Tiger und … Du bist stark wie Du!

Noch eine Botschaft gibt es für Kleine und Große: Manchmal lohnt es sich, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, um das Selbstverständliche wieder neu zu entdecken.

Praxis-Tipp:

Ich beginne diese Geschichte gerne mit einer Erzählkiste (statt Erzählkoffer) auf der schon Panama steht. Darin sind dann z.B. ein Wegweiser, Stofftier Tiger und Bär, blaues Papier fürs Wasser und natürlich Bananen … die darf jedes Kind zwischendrin einmal kosten. Der Auftakt findet vor dem Kamishibai statt und dann erzählen Tiger und Bär ihre Abenteuer. Auch hier verwende ich, je nach Alter der Kinder, nur eine Kartenauswahl. In meiner Kita haben wir nach der Geschichte ein gemütliches Sofa in den Gruppenraum gestellt. Als Freunde-, Kuschel-, Vorlese-, und Entspannungssofa wurde es unglaublich gut genutzt und war das Highlight für viele Wochen.

Benno Bär

Diese schöne Geschichte ist schon für die Kleinsten geeignet.

Benno, der Bär, hat seinen Schlüssel im Schnee verloren. Seine drei Freunde Martha Maus, Hubert Hirsch und Kalle Kaninchen versuchen alle ihr Bestes, aber der Schlüssel bleibt verschwunden und trotz der großen Kraftanstrengung von Hubert Hirsch bleibt die Tür verschlossen. Erschöpft schlafen sie eng aneinander gekuschelt vor dem Bärenhaus ein und siehe da, am anderen Morgen finden sie den Schlüssel in der Pfütze, die sich unter ihnen gebildet hat. Dann gibt es zur Belohnung warme Milch und einen Platz am Ofen.

Eine Kamishibai Erzählung über Hilfsbereitschaft, wie es unter echten Freunden üblich ist, aber auch über unterschiedliche Gaben und die Botschaft “Zusammen schaffen wir das“.

Praxis-Tipp:

Da diese Geschichte sehr übersichtlich gestaltet ist, bietet sich ein szenisches Spiel geradezu an, an einem Schneetag vielleicht auch einmal draußen. Die Kinder können auch ihre Stofftiere zur Erzählung mitbringen, sicherlich sind einige Bären darunter, die die Geschichte erzählen können, vielleicht auch ein Kaninchen oder eine Maus. Fragen wie „Hast du schon einmal etwas verloren? Wer hat dir bei der Suche geholfen? Was war das für ein Gefühl, als du es wieder gefunden hast?“ können sich anschließen.

Die drei Schmetterlinge

Drei unterschiedlich farbige Schmetterlinge tanzen und spielen über einer großen Wiese. Weil sie so in ihr Spiel vertieft sind, bemerken sie nicht, dass dunkle Wolken aufziehen. Bei den ersten Tropfen suchen sie schnell Unterschlupf bei einer Blume. Die möchte aber nur den Schmetterling aufnehmen, der dieselbe Farbe hat, wie sie.

Trennen wollen sich die Schmetterlinge aber nicht und so versuchen sie es noch bei anderen Blumen, mit dem gleichen Ergebnis.

Ohne Schutz sind sie nun dem Regen ausgesetzt. Die Sonne ist von so viel Zusammenhalt gerührt. Neugierig schickt sie ihre Strahlen schnell zum Trocknen der Schmetterlingsflügel.

Mich fasziniert die Aussagekraft dieser Fabel. Der Zusammenhalt von Freunden und einer starken Gemeinschaft wird mit einfacher Sprache vermittelt, auch von Solidarität, Ausgrenzung und Vielfalt erzählt diese kleine Geschichte.

Praxis-Tipp:

Das Nachspielen der Handlung auf einer Wiese oder im Gruppenraum wird den Kindern großen Spaß machen, da können auch schon die Kleinen „eine Blume“ oder „ein Schmetterling“ sein. Durch das Nachspielen erfahren die Kinder, was es heißt abgewiesen zu werden oder eine Ablehnung auszusprechen. Sie erfahren aber auch das wunderbare Gefühl des Zusammenhalts unter Freunden. Das Basteln von Schmetterlingen und Blumen bietet sich natürlich als kreative Nacharbeit an. Auch damit kann die Geschichte noch einmal nachgespielt und erlebt werden.

Das Schaf Charlotte und seine Freunde

Ein Schaf, das aus der Reihe tanzt und sehr seltsame Freunde hat, das ist Charlotte für die „Alten“ der Herde. Kopfdrücken mit einem Stier, spielen mit Enten und Hühnern oder im Matsch wühlen mit einem Schwein … das entlockt den anderen Schafen nur ein Kopfschütteln.

Als gleich zwei kleine Schafe verschwinden und keinem eine rettende Idee in den Sinn kommt, zeigt sich, was für großartige Freunde Charlotte hat. Kunibert, Eduard und auch die Hühner und Enten überlegen nicht lange und setzen all ihre Fähigkeiten ein, um die Ausreißer aufzuspüren und zu retten.

Eine überzeugende Geschichte von der Kraft der Freundschaft und dem Mut, gegen alle Vorurteile neue Wege zu gehen und anders zu sein.

Ein Abenteuer, das mit wenigen Worten auskommt und großflächige, ausdrucksstarke Bilder liefert. Daher ist es auch schon für kleinere Kinder geeignet.

Praxis-Tipp:

Die schönen Bilder kann man auch mal durch den ganzen Raum verteilt an einer Wäscheleine aufhängen. Jedes Kind sucht sich dann sein Lieblingstier zum eigenen Gestalten auf einem Din-A3-Blatt aus. Die Geschichte kann so mit den Bildern der Kinder noch einmal im Kamishibai gespielt werden.

Kinder und Freundschaft

„Dann bist Du aber nicht mehr mein Freund!“ Diesen Satz haben Sie sicher auch schon gehört.

Kinder fangen bereits im Kleinkindalter an, andere Kinder als Freunde zu betiteln. Ein Freund ist zunächst jemand, der im gleichen Alter ist und die gleichen Interessen hat. Sieht man sich dann regelmäßig, etwa in der Kita, können sich intensivere Kinderfreundschaften entwickeln. So machen Kinder ihre ersten eigenen Versuche im sozialen Kontakt mit anderen außerhalb der Familie, testen sich und sammeln Erfahrungen. Wie wichtig Freundschaften für Kinder sind, haben uns die Kontaktverbote in der Corona-Zeit gezeigt: Keinen Freund zu treffen, mit ihm zu spielen, sich auszutauschen, das war eine bittere und traurige Erfahrung, die viele Kinder machen mussten.

Streit, Eifersucht, Enttäuschungen gehören genauso dazu wie Versöhnung, geteilte Freude am Spiel und Sympathie füreinander. Kinder schauen sich vieles beim Umgang miteinander ab, lernen von anderen oder werden selbst zum Vorbild.

 

Zur Autorin: Simone Jacken von Buch zu Besuch ist ausgebildete Erzieherin und hat in der Sprach- und Leseförderung in Kitas und Schulen in 20 Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Sie veranstaltet regelmäßig Buchvorstellungen und Lesungen und bietet regelmäßig Workshops zur Arbeit mit dem Kamishibai und Bilderbüchern für Pädagogen*innen und Bibliothekare*innen an.

 
 

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