Ein Kreuzweg für Kinder?

Ein Kreuzweg für Kinder!

Kaum ein religiös orientiertes Kamishibai-Bildkartenset ist so beliebt wie "Der Kreuzweg Jesu". Aber woran liegt das? Das Thema "Tod und Sterben von Jesus" gehört sicher nicht zu den Lieblingsthemen im Kindergarten. Es ist doch viel schöner, die Weihnachtsgeschichte mit dem Baby Jesus in der Krippe zu erzählen oder die Ostergeschichte frühlingshaft auszuschmücken. Der Begriff "Kreuzweg" dagegen erinnert an fremd anmutende Bildergalerien in alten Kirchen, an archaische Wegkreuze in Süddeutschland und Österreich – oft ist Jesus darauf drastisch als Leidender und Gemarterter anzusehen und nicht wenige Erwachsene wollen Kindern diesen Anblick ersparen. Für viele (religions)pädagogisch Tätige in Kindergarten und Schule ist der Kreuzweg aber unerlässlich: Wer Kindern den christlichen Ursprung der Feste im Jahr nahebringen möchte, erzählt natürlich auch über Ostern – Ostern ist das wichtigste Fest der Christen: Die Auferstehung Jesu wird gefeiert, der Sieg des Lebens über Dunkel und Tod. Aber um das Kindern mitzuteilen, muss man eben auch erst vermitteln, dass vor der Auferstehung das Grab, der Tod und das Kreuz kam.

Der Kreuzweg ist ein Stationenweg

Entstanden ist der Kreuzweg ursprünglich als Jerusalem-Pilgerweg vor Ort: In frühen Zeiten konnte nicht jeder, der wollte, einfach nach Jerusalem reisen, um die Wirkungsstätten von Jesus aufzusuchen und sich ihm dort nahe zu fühlen. So entstand die Idee, einfach im Kopf den letzten Weg mit Jesus mitzugehen. Dieser Weg wurde so gestaltet, dass er möglichst viel an Jesus erinnerte. An einzelnen Stellen dieses Weges machten die Leue Halt und sprachen Gebete oder sangen ein Lied. Diese "Haltestellen" bildeten die Stationen Kreuzwegs: traditionell 14 Stationen, manchmal mehr, manchmal weniger. Solche Kreuzwege wurden um Kirchen herum, an ansteigenden Wegen zu einer Kapelle hinauf oder in Kirchenräumen eingerichtet. Die Leidensgeschichte in der Bibel bildete dazu die Basis, im Laufe der Jahrhunderte kamen aber Ausschmückungen hinzu. So kommt es, dass das bekannte Kreuzweg-Motiv "Veronika reicht  Jesus das Schweißtuch" gar nicht in der Bibel steht.

 

Spielstationen als kindgerechte Methode, sich mit einem komplexen Thema auseinanderzusetzen

Diese Art von Stationenweg ist es, die einen Kinderkreuzweg für Kinder interessant machen: Wir gehen einen gemeinsamen Weg mit Jesus mit, halten an bestimmten Punkten an, vergegenwärtigen uns in Bildern und Symbolen Einzelheiten der Passions- und Ostergeschichte. Anhand der Jesus-Geschichte schlagen wir einen Bogen zu unserem Leben heute. Wir reden über Leben und über Tod – was wir im normalen Kindergartenalltag meist nur aus aktuellem und dann sehr schmerzlichen Anlass tun. Wir beziehen viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten ein, als wenn wir "nur" die Geschichte erzählend weitergeben und hören. Wir fühlen mit den Jüngern mit, die am Gründonnerstag Abschied von Jesus nehmen müssen. Wir spüren mit, wenn wir mit Jesus seine Last tragen. Wir trauern mit, wenn wir Jesus ins Grab legen. Und wir freuen uns mit, wenn wir die Frauen am Ostermorgen begleiten.

Der Kreuzweg für Kinder

Anders als der klassische 14-Stationen-Kreuzweg erzählt ein Kinderkreuzweg am besten die ganze Passionsgeschichte: vom Einzug in Jerusalem bis zu den Erscheinungen des auferstandenen Jesus. Die Kinder erhalten so einen hilfreichen Überblick über die gesamte heilige Woche, die mit ihrer Vielzahl an völlig unterschiedlichen Tagen (Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag) im Verständnis der Kinder leicht durcheinandergerät. Sehr zu beachten bei einem Kreuzweg für Kinder ist auch, dass der Kreuzweg nicht mit dem Karfreitag endet – Ostern und das gute Ende muss immer mit thematisiert werden.

 

Es gibt eine Vielzahl an kreativen Ideen und Modellen, mit Kindern den Kreuzweg zu thematisieren, zu spielen oder in einer Andacht zu begehen. Das zu Beginn erwähnte Kamishibai-Bildkartenset "Der Kreuzweg Jesu" der Autorin und Religionspädagogin Monika Arnold greift das Thema mit geringem Aufwand in der Kindergruppe auf und erzählt die gesamte Passionsgeschichte. Beim Erzählen über die Bilder werden wir immer wieder innehalten und in uns hineinhören, wenn es nach jeder Station heißt:

Schritt für Schritt, Tritt für Tritt,
geh'n wir, Jesus, deinen Weg nun mit.

Weitere Ideen für die Gestaltung der Fastenzeit  und für religiöse Andachten im Kindergarten finden Sie bei unseren Autoren Bernhard Schweiger und Monika Arnold.