Zweisprachig Wissen teilen – so geht’s

Zweisprachig arbeiten mit dem Kamishibai: Sachwissen vermitteln

Auch Sachthemen können bereits in der Kita mehrsprachig präsentiert und im Austausch mit den Kindern vertieft werden, unterstützt durch Bilder im Kamishibai. Das lässt sich am Beispiel „Sonne, Mond und Erde“ gut erläutern und anregen. Das Thema ist als Anknüpfungspunkt für einen interkulturellen Austausch mit Klein und Groß auch deshalb interessant,  weil gerade die Astronomie in der islamisch geprägten Welt vor rund tausend Jahren eine bemerkenswerte Blüte erlebt hat. Bis heute zeugt sie nicht zuletzt von einer besonderen Verbundenheit zwischen Religion und Naturwissenschaften. Viele bedeutende Schriften und Erkenntnisse gelangten aus dem Orient zu uns und halfen, die Welt zu verstehen. Viele Kinder aus islamischen Ländern sind mit der Beobachtung von Mondphasen, mit dem Sonnenaufgang und -untergang bereits vertraut.

Himmelskunde in der Kita: Klare Aussagen finden und Raum zum Weiterfragen lassen

Das und vieles mehr spielte eine Rolle, als ich mir gemeinam mit Sajad Hassan Allah Dad, geboren in Afghanistan, die Bildkarten zum Bildkartensatz „Sonne, Mond und Erde“ für das zweisprachige Erzählen in Deutsch und Persisch anschaute. Die Überlegungen für die praktische Umsetzung, die sich dabei ergaben, waren:

  • Wie lässt sich zu ausgewählten Bildern ein so komplexes Thema in wenige Aussagen mit kurzen Sätzen fassen?  Durch die Zweisprachigkeit wird der „Vortrag“ ja immer für diejenige Gruppe unterbrochen, die gerade die Sprache nicht versteht. Umso wichtiger ist es, die Sequenzen kurz zu halten.
  • Auf welche Aussagen aus dem Bildkartensatz beschränken wir uns? Wir wollen nicht alle Erklärungen vorwegnehmen, sondern im Anschluss die weiteren Fragen und Einzelheiten im freien Dialog und spielerisch mit den Kindern erarbeiten. Rätsel und Herausforderungen,  um mit den Kindern eigene Erklärungen zu den Bildern zu finden, dürfen bleiben!
  • Welche „Botschaften“, die über das reine Sachwissen hinaus weisen, werden am Anfang und am Ende besonders betont?

 

Eltern und Verwandte mit ihren Familiensprachen einbeziehen

Was tun, wenn es zu der deutschen Textvorlage keine Übersetzung in der jeweils gesuchten Herkunftssprache gibt? Wie können wir die Mehrsprachigkeit in der Kita zu Buch- und Bildmedien trotzdem pflegen und einbeziehen? Das Video gibt exemplarisch eine Antwort auf diese immer wieder geäußerten Fragen. Denn in den Praxis-Tipps für Sprach-Kitas heißt es beispielsweise: „Laden Sie mehrsprachige Verwandte der Kinder ein, in die Kita zu kommen, um mit den Kindern Bilderbücher zu entdecken, Geschichten zum Buch zu erfinden und ihnen diese in ihrer Herkunftssprache vorzulesen.“

Wo Kinder in der Gruppe gemeinsam angesprochen werden und wechselseitig Vertrautes und Neues wahrnehmen sollen, ergibt sich immer wieder Übersetzungsbedarf: vom Deutschen in die Herkunftssprachen der Kinder oder umgekehrt - zunächst zweisprachig, aber vielleicht auch mal mehrsprachig.

Solche Übersetzungen bieten eine gute Möglichkeit, um Eltern und Verwandte aktiv einzubeziehen. Damit die Übersetzung gelingt, sollte der Ausgangstext nicht zu lang sein und sich in kurze Sequenzen für ein abwechselndes Sprechen unterteilen lassen. Begleitende Bilder – wie hier mit dem Kamishibai – tragen bei der Vorbereitung wie beim Vorlesen oder Erzählen zur leichteren Verständigung bei.

Ein Prozess: beim Betrachten von Bildern sprachlich aufeinander zugehen

In der Vorbereitung zu einem gemeinsam gewählten Thema oder zu einer Geschichte geschieht dann in einem Dialog sozusagen eine sprachliche Annäherung, bis am Ende ein Sprechen im Wechsel mit einfachen Sätzen möglich ist. Im Vordergrund steht nicht die perfekte Übersetzung, sondern der Prozess, sich gemeinsam eine Handlung oder Thematik in mehreren Sprachfassungen zu erschließen.

Deutsch/Farsi – wie im Video gezeigt – ist hier also nur als Modell zu verstehen für andere Sprachkombinationen, die sich vielleicht auf ähnliche Weise erarbeiten lassen.

Und last but not least: Auch die neu ergänzten Gedanken am Anfang und am Ende des kleinen Films sind von Bedeutung. Fragen dürfen und sollen offen bleiben. Diese halten die Lust zum Weiterdenken und Experimentieren wach. Was dabei als Zusage und Hoffnung über allem steht: „Wir leben gemeinsam auf einer Erde…und: Es ist schön, die Sonne am Tag zu spüren und den Mond in der Nacht zu sehen.“

Das Empfinden von weltweiter Verbundenheit und die Besinnung auf eine gemeinsame Freude am immerwährenden Rhythmus –  das möchten wir in unseren Sprachen und das lässt sich noch in vielen anderen Sprachen der Welt mit wenigen Worten ausdrücken, veranschaulichen und weitersagen.

Den Download mit Textvorlage zum Video und weiteren Tipps finden Sie hier:

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Weiterführende Infos

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Die Kinder hingen an Abduls Lippen - Zwei Schüler aus Syrien gestalteten zweisprachiges Vorlesen
Astronomie für Kinder - Was Sterne mit Integration zu tun haben. Ein Beitrag der Süddeutschen Zeitung.

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